Jürgen Kerz

  • Jürgen Kerz, Dekanatskantor, geb. 1965 in Alzey – Weinheim
  • 1979 -1984 Organist in Alzey-Weinheim
  • Kirchenmusikstudium an der Robert Schumann Musikhochschule Düsseldorf; Orgel bei Prof. Johannes Geffert
  • 1991 A-Examen mit Gesamtnote 1 und Auszeichung in Lit. Orgelspiel
  • Fortbildungen u.a. bei Oliver Latry, Organist an Notre Dame, Paris
  • 1991-1997 Kreiskantor in Barnstorf bei Bremen
  • 1997-2002 Kreiskantor in Wuppertal
  • seit 2002 Dekanatskantor in Münchberg
 

Kirchenmusik ist ein wichtiger Teil meines Lebens.

Jürgen Kerz an der neuen, elektrischen Orgel

Mein Tag ist angefüllt vor allem mit Üben, Planen, Vorbereiten, Absprachen, Unterricht, Schreibarbeiten, Terminen in Gemeinde und Dekanat. Abends sind die Proben mit den Chören.

Im Urlaub sehe ich immer, dass ich da wo ich bin einen Gottesdienst mitfeiern kann, möglichst einer mit qualifizierter Musik.

Aufgewachsen bin ich im rheinhessischen Alzey unweit von Mainz. Mit meinem Vater spielte ich als Kind im Posaunenchor. 

Als ich ein Konfirmand war machte unser damaliger Pfarrer einen Besuch bei uns zu Hause. Ich spielte damals Hammond-Orgel und er hörte sich in meinem Jugendzimmer einige Lieder an. Mein Pfarrer lud mich ein, die Orgel in der Kirche einmal auszuprobieren. Daraus wurde dann sehr schnell, dass ich beim Kantor Orgelunterricht bekam und einen Monat nach meiner Konfirmation, am 17.Juni 1979, den ersten Gottesdienst an der Orgel in meinem Heimatort begleiten durfte. Das Orgelspielen erlebe ich bis zum heutigen Tage als außerordentlich spannend. Es gibt so viele klangliche Möglichkeiten und  man kann alleine den ganzen großen Kirchenraum mit Klang füllen. Nicht umsonst wird die Orgel ja auch die Königin der Instrumente genannt. Man kann dann entdecken, wie unbeschreiblich toll es ist, in einem Gottesdienst und später in einem Konzert Musik zu machen. Interessierten erteile ich sehr gerne Orgelunterricht. Über das Dekanat ist Orgelunterricht (und auch kirchenmusikal. Unterricht z.B. in Chorleitung)günstig.

Bachchor mit Jürgen Kerz

Wenn man beim Kantor Unterricht nimmt, schaut man auch, was der sonst noch so macht. Auf diese Weise bin ich dann als Jugendlicher in ein Konzert für Chor, Solisten und Orchester geraten. Es war das Weihnachtsoratorium 1-3 von Johann Sebastian Bach. Von Bach hatte ich bis dahin auch schon einige kleine Stücke gespielt. Als in die Stille hinein zu Konzertbeginn die Pauken und Trompeten einsetzten, das ganze Orchester dann in seiner Vielschichtigkeit des Klanges erstrahlte und die Menschen in der Kantorei uns zusangen „Jauchzet, frohlocket…lasset das Zagen, verbannet die Klage……dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören….“ war ich ergriffen. Die Weihnachtsgeschichte nicht einfach nur vorgelesen zu bekommen, sondern in so wundervollem musikalischen Kleid zu erleben, empfand ich als Unterschied wie Nacht und Tag. Da ich ganz vorne saß, konnte ich die Begeisterung meines Orgellehrers, der dirigierende Kantor, hautnah miterleben. Er strahlte vor Glück und dies sprang auf den Chor über. 

 
Oder glänzte der Chor so und brachte den Kantor zum Glücksgefühl?
Dekanatskantor Jürgen Kerz

Heute weiß ich aus eigenem Erleben, dass es beides ist: das Beflügeln erfolgt wechselseitig. Und auch innerhalb des Chores: Je mehr die Sängerinnen und Sänger aufeinander achten und sich vertrauen, desto leichter klingt die Musik organisch und geht ganz tief. Und umgekehrt: Wo Vertrauen nicht geschenkt wird, wo schlechte Stimmung verbreitet wird, da hat auch die Musik so etwas wie eine Blockade. Sie findet zwar statt, aber es fehlen die glücksversprühenden Wellen. Deswegen sind auch Menschen, die Rücksicht nehmen nicht wenigstenslernen wollen, im Chor falsch. Die Selbstverwirklichung geht hier nur in der Gruppe. Und die Gruppe kann ungemein stärken. Ich kenne Menschen, die sind durch die Kirchenmusik und die Hilfe und den Zuspruch von Mitsängerinnen und Mitsängern im Chor über schwere Krisen hinweggekommen. 

Übrigens habe ich nach dem damals gehörten Weihnachtsoratorium beschlossen, selber mal Kantor zu werden und dann mit großem Idealismus Kirchenmusik studiert. Das Wirken in der Kirchengemeinde war und ist nicht immer ohne Reibungspunkte und als sensibler Musiker ist man manchmal auch bedrückt. „Sie sind wie ein Stehauf-Männchen“, sagte mir einmal ein Kirchenvertreter. Nein: Gott ist es, der mich bis heute durch seine Liebe und die Musik immer wieder aufgerichtet hat.

Ich merke, dass die Musik mich selbst anrührt und mich in eine Welt hinein nimmt, die mit Worten nur unzureichend beschrieben werden kann. Es hat etwas mit Meditation, Lust, Spass, Konzentration, Glauben, Rührung und Staunen zu tun.

Münchberger Kinderchor

Und so wie bei mir damals das Weihnachtsoratorium gewirkt hat – oder richtiger – so wie bei mir Gott durch das Weihnachtsoratorium gewirkt hat, so wirkt unsere Kirchenmusik auch wenigstens hie und da in unserer Gemeinde.

Die Faszination der Kleinen bei der musikalischen Früherziehung, mit der unsere Kirchengemeinde bewußt schon ganz junge Mädchen und Jungen in unser Gemeindehaus zur Begegnung mit Musik einlädt, die Freude der Kids im Kinderchor oder der Jugendlichen und Erwachsenen im  Bachchor, der Rhythmus bei den Gospels und die schönen Klänge und nicht zuletzt die vielfältigen Lieder und Motetten unseres Chores der Stadtkirche, die regelmäßig in unseren Gottesdiensten erklingen. 

Auch wenn der Posaunenchor an Ostern „Christ ist erstanden“ spielt und ich die Orgel dazu „toben“ lasse, fällt es mir gerade in dem Moment sehr leicht, zu glauben, dass Jesus einmal wiederkommen wird, dass wir alle auferstehen werden und eine unbeschreiblich schöne Herrlichkeit in Gottes ewigem Reich haben werden, mit einer Freude, die dann niemals mehr vergehen wird.  

Dankt unserm Gott, lobsinget ihm,

rühmt seinen Namen mit lauter Stimm; 

lobsingt und danket allesamt !

Gott loben, das ist unser Amt.
Orgelimprovisation an der Heidenreich-Orgel

in Hof bei einem Orgelkonzert:

 

 

Improvisation für Vuvuzela und Orgel
mit Dr. Rainer Goller bei einem Konzert
unter dem Eindruck der Vuvuzelas
bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika:

 

 

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